{"id":1897,"date":"2013-08-26T18:32:51","date_gmt":"2013-08-26T16:32:51","guid":{"rendered":"http:\/\/ekrah.com\/start\/?p=1897"},"modified":"2020-02-26T16:37:14","modified_gmt":"2020-02-26T14:37:14","slug":"interview-mit-wolfgang-grupp-trigema","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archive.edu.net.co\/start\/interview-mit-wolfgang-grupp-trigema\/","title":{"rendered":"Interview mit Wolfgang Grupp &#8211; Trigema"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><big><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-1898\" alt=\"WG_Schreibtisch_quer_800\" src=\"http:\/\/ekrah.com\/start\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/WG_Schreibtisch_quer_800.jpg\" width=\"800\" height=\"536\" srcset=\"https:\/\/archive.edu.net.co\/start\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/WG_Schreibtisch_quer_800.jpg 800w, https:\/\/archive.edu.net.co\/start\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/WG_Schreibtisch_quer_800-300x201.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/big><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><big>\u201e<i>Wir m\u00fcssen ein Wachstum vom Produkt her sehen, in der Innovation<\/i>\u201c Wolfgang Grupp, alleiniger Inhaber und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer im Gespr\u00e4ch mit Dr. Eckehard Krah.<\/big><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Dr. Eckehard Krah:<\/b> Welche Bedeutung hat nachhaltiges Management im Unternehmen f\u00fcr Sie?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Wolfgang Grupp:<\/b> Herr Dr. Krah, ich habe zwar auch studiert und ich habe die Theorie auch irgendwann einmal durchgearbeitet, nur organisiere ich mein Unternehmen mit meiner Volksschulbildung. Normal, einfach, simpel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn ich diese Frage nun nehme, dann ist das eine Frage die ich beantworten kann, aber das muss ich als Unternehmer schon machen, wenn ich ein Egoist und Kapitalist sein will.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie verstehen: wenn ich sage, ich pflege mein Auto, dann tue ich das nicht der Umwelt zuliebe, sondern dann tue ich das mir zuliebe, weil es dann l\u00e4nger h\u00e4lt und ich mehr daf\u00fcr im Wiederverkauf bekomme. Ich betreibe nachhaltiges Management nicht weil ich jetzt Umweltaktivist bin oder weil ich sage: dem Standort Deutschland geht es schlecht, sondern weil ich mehr Erfolg und Gewinn haben will.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Dr. Eckehard Krah:<\/b> Nun sind viele Unternehmen gerade nicht im nachhaltigen Management aktiv, wenn wir in Richtung Bangladesh schauen \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Wolfgang Grupp:<\/b> Nun, sie d\u00fcrfen dies auch nicht so verstehen. Wenn ich sage: in Bangladesh wird irgendetwas gemacht, dann ist dies ein kurzfristiges Denken, dann liegt die Schuld bei den Unternehmen, die sich in diesen Regionen engagieren und die Hersteller vor Ort so erpressen, dass die dann wiederum ihre Mitarbeiter aus der Not heraus weiter erpressen m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Also wenn ich sage: ich habe nur einen Kunden, dann m\u00fcsste ich in der Not viele Dinge machen, die ich unter normalen Aspekten nicht machen w\u00fcrde. Die Schuld liegt dann bei den Unternehmen in Deutschland beziehungsweise bei denen in Bangladesh, wenn das Unternehmen vor Ort kurzfristig mehr Gewinn haben m\u00f6chte. Aber langfristig haben diese Unternehmen damit kein Gl\u00fcck, wenn n\u00e4mlich dann die besten Leute das Unternehmen verlassen und die schlechten bleiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<b>Dr. Eckehard Krah:<\/b> Nun steht die Modebranche nicht gerade f\u00fcr \u00f6kologisches und soziales Bewusstsein, \u00e4ndert sich dies auch in anderen Unternehmen oder werden Sie auch in Zukunft als Ausnahme gelten?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Wolfgang Grupp:<\/b> Nun ich sehe mich selber als Ausnahme, wenn Sie das so sagen k\u00f6nnen. Nur m\u00fcssen Sie mir erst einmal ein Unternehmen nennen, welchem es in der Vergangenheit besser gegangen ist. Ihrer Frage entnehme ich, dass Sie mich indirekt fragen wollen, warum ich nicht rausgehe und hier in Deutschland bleibe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun sage ich zu Ihnen: weil ich ein Egoist bin und weil ich Geld verdienen will und es mir gut gehen sollte. Nennen Sie mir ein Unternehmen in meiner Branche dem es besser gegangen ist, nachdem es seine Arbeitspl\u00e4tze verlagert hat. Ich frage Sie: Schiesser, Jockey, G\u00f6tzburg, Scharmer? Alle sind sie pleite gegangen. Da werde ich doch jetzt auch nicht raus gehen um auch pleite zu gehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man muss doch erst einmal sehen, dass die ganze Verlagerung im Prinzip nichts bringt. Sie wollen doch nicht meinen, dass ein Daimler mit etlichen Werken im Ausland oder ThyssenKrupp &#8211; sie kommen ja aus Siegen, da sind sie ja n\u00e4her an ThyssenKrupp dran &#8211; ob die jetzt mit ihrem Engagement im Ausland so viel Geld verdient haben oder ob sie eigenes Geld in Deutschland verdient haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Problem ist einfach wenn ich heute sage: ich exportiere nach China, dann bin ich \u201ein\u201c. Wenn ich sage: ich habe keinen Export, ich produziere und verkaufe nur in Deutschland, dann bin ich ein D\u00fcmpler, dann bin ich eine Flasche, ich habe die Welt nicht erobert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fragen sie mich, sie wollen doch nicht meinen, dass Amerika f\u00fcr mich ein Vorbild ist. Denn alle Kriege, die diese Nation angefangen hat, sind doch sinnlos gewesen. Aber es geh\u00f6rt auch ein Machtmensch dazu, indem er sagt: ich f\u00fchre gegen dich Krieg. Ob er dann am Schluss drauf legt oder nicht, ist dann eine andere Frage.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Gier und der Gr\u00f6\u00dfenwahn. Das ganze Problem ist, dass die Leute, die es entscheiden, nicht mehr selbst bezahlen. Ich \u2013 im Unterschied zu denen \u2013 entscheide und bezahle alles selbst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #ffffff;\">&#8211;<\/span><br \/>\n<b>Dr. Eckehard Krah:<\/b> Welche Trends zeichnen sich derzeit in der Textilindustrie im Nachhaltigkeitsmanagement ab?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Wolfgang Grupp:<\/b> Meine Meinung ist, dass wir in Europa oder Deutschland generell Arbeitspl\u00e4tze brauchen und zwar produktive Arbeitspl\u00e4tze.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir m\u00fcssen das Wachstum nicht in Umsatzwachstum sehen, sondern im Wachstum des Produktes, das muss also innovativ sein. Das hei\u00dft, ich habe in einer Globalisierung keine Konkurrenz in dem Sinne. Der Chinese ist kein Konkurrent f\u00fcr mich, sondern ein Kollege. Der liefert die Billigwaren oder die einfachen Produkte und wir liefern die innovativen, h\u00f6her stehenden Produkte. Wir sind Kollegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn Sie 10 000 wei\u00dfe T-Shirts wollen &#8211; 0\/8\/15 &#8211; dann mache ich ihnen gar kein Angebot. Dann sage ich Ihnen: gehen Sie zu meinem Kollegen nach China, der macht es ihnen billiger. Wenn Sie aber sagen: sie wollen die 10000 T-Shirts innerhalb 24 Stunden dann k\u00f6nnen Sie mit dem Chinesen nicht arbeiten, dann m\u00fcssen Sie mit mir arbeiten. Dann biete ich Ihnen eine Flexibilit\u00e4t oder aber ich biete Ihnen heute 117 St\u00fcck und morgen 117 St\u00fcck, so wie sie das brauchen und eine entsprechende Qualit\u00e4t.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Also wir brauchen in Deutschland unsere Produktionsarbeitspl\u00e4tze. Nur vom Abzocken oder Beraten wird Europa nicht zukunftsorientiert existieren k\u00f6nnen. Und wir sind das auch unseren Mitmenschen schuldig. Denen m\u00fcssen wir einen Arbeitsplatz bieten, unserer Jugend. Wenn wir England anschauen mit ihrer Finanzgeschichte und so weiter. Zwanzig Prozent Arbeitslosigkeit und Jugendarbeitslosigkeit, Spanien mit f\u00fcnfzig Prozent und so weiter, das sind die Folgen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir brauchen Produktionsarbeitspl\u00e4tze in allen Produktsparten. Es kann nicht sein, dass eine Branche sagt: wir sind nicht mehr produzierbar. Alle Branchen m\u00fcssen produzierbar sein. Also m\u00fcssen wir in der Textilindustrie andere Produkte machen als die Billiglohnl\u00e4nder. Wir m\u00fcssen h\u00f6herwertige Produkte machen und zwar innovative Produkte. Das nenne ich dann Wachstum. Ein Produkt muss in der Innovation wachsen und nicht der Umsatz muss wachsen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #ffffff;\">&#8211;<\/span><br \/>\n<b>Dr. Eckehard Krah:<\/b> Nun stellt sich die Frage in Bezug auf die Lieferf\u00e4higkeit. Nun haben Sie gro\u00dfe Lagerkapazit\u00e4ten. Das bindet nat\u00fcrlich auch Kapital.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Wolfgang Grupp:<\/b> Das ist alles eine sinnlose Rechnerei. Nun frag ich Sie: 22 Prozent sind bei mir Einkauf. So haben wir nat\u00fcrlich Eigenstrom aber wir kaufen das Gas usw. Garn, Kn\u00f6pfe, Reisverschl\u00fcsse, Faden u.s.w.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe 78 Prozent Wertsch\u00f6pfung und damit 52 Prozent L\u00f6hne. Und wenn ich heute sage, ich muss 1 000 000 Euro ans Lager arbeiten und die L\u00f6hne als fix sehe, dann hei\u00dft das, ich muss 220 000 Euro ins Lager stecken, dann bekomme ich meine Fixkosten von 780 000 in Form von Warenlager, die ich dann retten kann. Meine Aufgabe ist es nur, dieses Lager irgendwann zu verkaufen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn ich aber nicht produziere, dann spare ich 220 000 Euro und verliere 780 000 Euro Gemein- oder Fixkosten weil die Leute Gehalt bekommen aber nichts tun. Und das ist das fatale. Das muss die Hochlohnlandindustrie wissen. Von Daimler oder von den Automobilindustrien haben sie in den letzten Jahren nichts geh\u00f6rt, weil die Nachfrage angeblich gro\u00df war. Die B\u00e4nder waren voll. Vor drei Jahren haben sie geh\u00f6rt, da haben sie gesagt, dass die L\u00f6hne zu teuer sind. Die B\u00e4nder waren aber nicht voll.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn die auf Lager produziert h\u00e4tten vor drei Jahren, dann h\u00e4tten Sie jetzt die Probleme nicht gehabt mit Lieferverzug oder Kapazit\u00e4tsengpass. Ich glaube nicht dass das stimmt, sie tun jedenfalls so. Und jetzt frage ich Sie, was das Lager kostet. Ich bekomme heute f\u00fcr Festgelder\u2026lassen sie es ein Prozent sein. Nun kosten mich dann 1 000 000 Euro etwa 10 000 Euro Zinsen. Ich rette aber 520 000 Euro Lohn, den ich theoretisch, wenn ich richtig produziere &#8211; und irgendwann habe ich dann wieder mehr Nachfrage, als ich produzieren kann &#8211; wieder realisieren kann. Da brauche ich doch \u00fcber dieses eine Prozent \u2013 und wenn es f\u00fcnf oder sieben Prozent w\u00e4ren \u2013 nicht zu diskutieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Also das hei\u00dft, diese ewige Lean Production mit ihrem \u201em\u00f6glichst keinem Lager, das kostet Geld, das bindet Kapital\u201c das ist f\u00fcr mich ein Irrsinn. Ich habe keine Aktien von einem anderen Unternehmen. Ich kaufe auch keine Aktien von irgendeinem anderen Unternehmen. Sondern ich habe 100 Prozent Eigenkapital bei mir und bei mir ist alles bezahlt. Und damit habe ich eine Flexibilit\u00e4t und kann kurzfristig kaufen und auf das Lager produzieren und machen und brauch mich nicht von irgendeinem Fuzzi von einer Bank abh\u00e4ngig machen zu lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Grunde genommen haben sie Herr Dr. Krah recht. Wenn ich sage, die Gelder kosten 10 Prozent und ich bekomme Auftr\u00e4ge genug, dann brauche ich nicht auf Lager zu arbeiten. Dann ist alles sinnlos, was ich am Lager habe. Das k\u00f6nnte ich ja dann verkaufen. Nur wenn ich die Kapazit\u00e4ten nicht voll habe und hier Leute sitzen habe, die alleine vom Umsatz 52 Prozent Lohn bekommen und jetzt im Prinzip auch so tun, als ob sie besch\u00e4ftigt sind und in Wirklichkeit nur die H\u00e4lfte tun, dann arbeiten die f\u00fcr mich wenn ich zus\u00e4tzlich f\u00fcr das Lager arbeite umsonst, weil die ja sonst nichts tun w\u00fcrden und Gehalt empfangen w\u00fcrden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #ffffff;\">&#8211;<\/span><br \/>\n<b>Dr. Eckehard Krah:<\/b> Nun bieten viele Unternehmen Kurzarbeit an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Wolfgang Grupp:<\/b> Ja, Kurzarbeit hei\u00dft f\u00fcr mich, dass ich Steuergeldern hinterher jage und ich bekomme das mitfinanziert, aber der Strom bei mir im Geb\u00e4ude brennt und die Leute arbeiten weniger. Die Heizung l\u00e4uft und die Leute arbeiten weniger. Die Maschine wird abgeschrieben, sie wird weniger wert, weil sie unmoderner wird und sie arbeitet nicht. Kurzarbeit ist f\u00fcr mich negativ. Also muss ich \u2013 allerdings auf mein Risiko \u2013 an das Lager arbeiten. Produziere ich dann das richtige und kann ich das ein Jahr sp\u00e4ter verkaufen oder ein halbes Jahr sp\u00e4ter, ist das ok. Produziere ich das falsche, weil ich bl\u00f6d bin, ok, ja, dann brauche ich auch kein Geld verdienen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Also sie verstehen mich. In Europa haben wir eine S\u00e4ttigung. Sie wollen doch nicht meinen, dass Sie Bedarf haben, dass ihnen etwas fehlt. Sie bekommen in Deutschland alles, was Sie wollen. Also haben wir einen ges\u00e4ttigten Markt. In einem ges\u00e4ttigten Markt die Kapazit\u00e4ten zu erh\u00f6hen, bedeutet ruin\u00f6sen Wettbewerb. Ich kann nur meine Kapazit\u00e4t verkaufen, indem ich es billiger mache als die Konkurrenz und wir machen uns gegenseitig die Gesch\u00e4fte schlecht. Also muss ich die Kapazit\u00e4ten auf keinen Fall erh\u00f6hen und damit muss ich flexibel werden. Ich lebe heute davon, dass wir Auftr\u00e4ge bekommen weil wir eine Qualit\u00e4t produzieren, weil wir im Prinzip gewisse Artikel haben, die interessant sind. Aber wir bekommen auch Auftr\u00e4ge weil wir der Einzige sind, der liefern kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und das ist heute das Entscheidende. Und wenn sie heute sagen: ich bekomme morgen bei mir Zuhause f\u00fcnf G\u00e4ste, es ist Abends sechs Uhr, die L\u00e4den haben zu und Sie wissen ein Laden am Bahnhof hat noch offen, dann geht ihre Frau dahin und dann fragt sie nicht \u201eist das Fleisch zu teuer\u201c oder \u201eist das oder das \u2026\u201c sie ist froh, dass sie es bekommt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #ffffff;\">&#8211;<\/span><br \/>\n<b>Dr. Eckehard Krah:<\/b> Und das ist ja gerade bei chinesischen Herstellern der Fall. Dort gibt es Lieferzeiten von 2 Monaten bis hin zu einem viertel Jahr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Wolfgang Grupp:<\/b> Und genau das ist der Aspekt den wir nutzen m\u00fcssen. Nun soll ich Aktien von einem anderen Unternehmen kaufen und gleichzeitig keinen Lagerbestand aufh\u00e4ufen? Mein Lagerbestand hingegen ist genau meine Kapitalanlage. Damit kann ich Umsatz machen und Geld verdienen. Aber mit den Aktien eines Anderen bin ich ja abh\u00e4ngig davon ob er Mist baut oder nicht. Also ich kaufe keine Aktien, keine Anleihen nichts. Wir haben nur Festgelder und da ist es mir egal, ob ich ein Prozent bekomme oder 0,8 Prozent oder 1,5 Prozent. Das interessiert mich nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich w\u00e4hle ich das, wo ich am meisten bekomme. Aber mir geht es darum, dass ich flexibel bleibe. Wissen sie, ich mache heute mein Geld auch im Einkauf. Das hei\u00dft, wir bezahlen jede Rechnung \u2013 wir verhandeln nicht \u00fcber Valuta oder sonst etwas.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn ich heute eine Maschine bestelle, dann verhandeln wir diese. Und wenn wir sie richtig verhandelt haben und den niedrigsten Preis haben, dann bekomme ich die Sache. Mein Einkauf verhandelt vor. Und dann sage ich als Beispiel die Maschine kostet 100 000 und diese hat ein halbes Jahr Lieferzeit, dann mache ich einen Vorschlag. Wir einigen uns, sie bekommen den Auftrag mit 90 000 Anzahlung sofort, sie schicken die Rechnung und liefern in einem halben Jahr. Es kann sein, dass wir uns dann auf 92000 einigen. Dann habe ich jedoch acht Prozent heruntergehandelt, in einem halben Jahr h\u00e4tte ich sowieso bezahlen m\u00fcssen, also ist das 16 Prozent Verzinsung. Und da brauche ich nicht dar\u00fcber zu sprechen, ob ich am Kapitalmarkt ein, zwei oder drei Prozent bekomme.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und deshalb haben wir Festgelder und alles was wir ben\u00f6tigen, wird sofort bezahlt. Und dadurch bekomme ich Sonderkonditionen, die mit Festgeldern \u00fcberhaupt nicht zu vergleichen sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #ffffff;\">&#8211;<\/span><br \/>\n<b>Dr. Eckehard Krah:<\/b> Zahlreiche Unternehmen betreiben ein sogenanntes \u201eGreen Washing\u201c ihrer Produkte. Da werben Unternehmen mit nachhaltig hergestellten Trinkflaschen mit lebenslanger Garantie, die dann im asiatischen Raum produziert werden und dann hier her transportiert werden und folglich eine schlechte CO2-Bilanz aufweisen. Wie beurteilen Sie ein solches Verhalten in Bezug auf reales, ernst zu nehmendes nachhaltiges Management?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Wolfgang Grupp:<\/b> Gut, da muss ich ehrlich sein. Da kann ich Ihnen nichts dazu sagen, weil es am Markt immer Betr\u00fcger gibt die dann etwas nutzen oder dem Markt etwas vormachen, was nicht stimmt. Die Leute haben Rindfleisch verkauft und drin war Pferdefleisch. Was wollen Sie dagegen machen? Das nenne ich die Aufgabe der Politik. Die muss die Leitlinien geben und die muss die Richtungen angeben und sagen: \u201eDas ist Made in Germany und das ist Nachhaltigkeit\u201c. Wenn das aber \u201eWaschi Waschi\u201c ist, wo jeder reinschreiben kann und alles, dann ist das ein Versagen der Politik.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #ffffff;\">&#8211;<\/span><br \/>\n<b>Dr. Eckehard Krah:<\/b> Wie kann ein Endkunde zwischen Storytelling und glaubw\u00fcrdigem Engagement unterscheiden?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Wolfgang Grupp:<\/b> Wenn ich sage \u201edas ist Made in Germany\u201c und der Gesetzgeber hat Richtlinien f\u00fcr Made in Germany vorgegeben, dann kann der Endkunde oder Mitbewerber dies bei einem Versto\u00df anzeigen. Das ist das gleiche, wenn auf der Autobahn 100 Km\/h vorgegeben ist und sie schneller fahren, kann sie jemand anzeigen und sagen: \u201eder ist 140 Km\/h gefahren\u201c. Es muss also eine Richtlinie dar sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #ffffff;\">&#8211;<\/span><br \/>\n<b>Dr. Eckehard Krah:<\/b> Es stellt sich nur die Frage, ob die Unternehmen sich dann auch an diese Richtlinien halten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Wolfgang Grupp:<\/b> Also wenn die Geschwindigkeitskontrollen machen k\u00f6nnen \u2013 oft so sinnlos wie nur etwas \u2013 dann m\u00fcssen sie das auch kontrollieren. Das halte ich f\u00fcr wertvoller als wenn eine Gro\u00dfmutter in der Kurve herausgeflogen ist und dann m\u00fcssen alle gestandenen Autofahrer 80 Km\/h fahren obwohl sie mit 160 Km\/h in die Kurve gehen k\u00f6nnten. Da kontrollieren sie ja auch. Also ich meine, das ist Aufgabe der Politik. Die Politik braucht nicht in die Wirtschaft eingreifen, die muss aber die Rahmenbedingungen schaffen, damit eine faire Marktwirtschaft existieren kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #ffffff;\">&#8211;<\/span><br \/>\n<b>Dr. Eckehard Krah:<\/b> Welche Rolle spielt der Konsument beim Aufkommen von nachhaltigem Management? Letztlich verleitet ein Angebot zu entsprechendem Verhalten. Kann ein Kunde wirklich die Nachfrage beeinflussen oder konsumiert er letztlich doch das, was angeboten wird?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Wolfgang Grupp:<\/b> Also in dem Moment, wo ich als Gesetzgeber \u201eWischi Waschi\u201c zulasse, hat der Verbraucher keine Chance. Verstehen Sie? Also wenn ich sage, sie k\u00f6nnen zwischen 60 Km\/h und 120 Km\/h fahren und dann kann Niemand sage, warum f\u00e4hrt der 80 Km\/h? Also der Gesetzgeber hat keine klaren Richtlinien aufgestellt, also kann der rasen oder nicht rasen. Also in einer marktfairen Marktwirtschaft muss es Gesetze geben, sonst beschwei\u00dfen Alle.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #ffffff;\">&#8211;<\/span><br \/>\n<b>Dr. Eckehard Krah:<\/b> Wie sehen Sie das mit der Kundenverantwortung im nachhaltigen Konsum?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Wolfgang Grupp:<\/b> Ich halte von der Kundenverantwortung nichts. Der Kunde muss keine Verantwortung zeigen. Das halte ich f\u00fcr falsch. Wenn sie mir sagen: Herr Grupp, ich habe Gem\u00fcse im eigenen Garten angepflanzt und das verkaufe ich ihnen und mache ein Schild da drau\u00dfen hin &lt;&lt; aus Biolandschaft &gt;&gt;, dann muss ich ihnen glauben k\u00f6nnen. Es kann aber nicht sein, dass ich sage: das glaube ich nicht und ich schaue erst einmal da rein. Das ist Aufgabe des Gesetzgebers. Ich darf auch nicht etwas werben, was nicht stimmt. Ich darf ja nicht sagen, was nicht stimmt, verstehen sie. Das ist Aufgabe des Gesetzgebers.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich finde es auch falsch, dass jemand sagt: ich kaufe die Ware nicht, wenn die aus Bangladesh kommt. Dabei kann die Ware aus Bangladesh ja Top in Ordnung sein. Nur das ist Aufgabe des Imports oder sonst wo, dass diese Kriterien vorausgesetzt und dann auch eingehalten werden. Und wenn ein Unternehmen in Bangladesh produziert, dann muss es diese Standards einhalten. Nur der Verbraucher muss das nicht festlegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn ich sage: Das ist 100 Prozent Baumwolle und das ist mein Eigenetikett, dann ist es nicht ihre Aufgabe das in ein Institut zu schicken und zu pr\u00fcfen, ob das auch so ist. Ich muss angezeigt werden k\u00f6nnen, dass ich im Prinzip falsche Aussagen gemacht habe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #ffffff;\">&#8211;<\/span><br \/>\n<b>Dr. Eckehard Krah:<\/b> In zahlreichen Produkten ist eine geplante Obsoleszenz eingebaut, die die Lebenserwartung beabsichtigt reduziert. Viele Unternehmen sind hiermit \u00e4u\u00dferst erfolgreich. Nun zeichnen sich Ihre Produkte gerade durch Langlebigkeit und Strapazierf\u00e4higkeit aus. Wie bleiben Sie erfolgreich im Gesch\u00e4ft, wenn Ihre Produkte so lange halten?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Wolfgang Grupp:<\/b> Ich bekomme und halte gerade meine Kunden, weil sie mit der Qualit\u00e4t zufrieden sind und weil die Produkte langlebig sind. Ich kann mir selbst schaden. Also wenn ich sage, ich kaufe eine Gl\u00fchbirne und die hat eine Garantie von einem Jahr oder was wei\u00df ich und danach geht sie kaputt, dann erkl\u00e4re ich mich einverstanden, dass ich damit rechne, dass die nach einem Jahr ausgetauscht werden muss. Dann kaufe ich die aber nicht mehr, wenn ein anderes Produkt langlebiger ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe mich ja eingeschr\u00e4nkt. Wenn ich sage, nach der Obsoleszenz ist mein Produkt kaputt, dann wird das gekauft, solange kein besseres Produkt da ist. Also wenn ich eine Waschmaschine kaufe und die hat zwei Jahre Garantie und nach den zwei Jahren ist diese prinzipiell kaputt, dann werde ich beim n\u00e4chsten Mal eine von einer anderen Marke kaufen. Und wenn diese dann drei Jahre oder l\u00e4nger h\u00e4lt, hat das andere Unternehmen keine Chance mehr. Also ich glaube, das regelt der Markt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #ffffff;\">&#8211;<\/span><br \/>\n<b>Dr. Eckehard Krah:<\/b> Oft wird nachhaltig konsumiert, weil sich der Endkunde ein reines Gewissen erkaufen will. Gibt es weitere Anreize f\u00fcr das Unternehmen wie auch f\u00fcr den Konsumenten zum nachhaltigen Konsum?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Wolfgang Grupp:<\/b> Also gut, wir haben ja auch die Nachhaltigkeit und wir stellen fest, dass das Cradle2Cradle, diese Richtung immer st\u00e4rker Fu\u00df fasst. Aber wir haben generell auch nat\u00fcrlich die Erfahrung gemacht, dass das automatisch f\u00fcr uns eine super Werbung ist, dass ich nur am Standort Deutschland produziere. Weil viele Leute reinkommen und sagen, wir wollen Sie unterst\u00fctzen weil sie die Arbeitspl\u00e4tze in Deutschland halten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Also ich bin kein Sozialseusler. Vielmehr bin ich ein Egoist und ein Kapitalist. Nur ich wei\u00df, wenn es mir gut gehen soll, muss es meinem Umfeld gut gehen. Und je besser ich meine Mitarbeiter behandle, desto mehr tun die was ich sage und je mehr helfen die mir Gewinne zu machen und arbeiten entsprechend f\u00fcr mich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Je schlechter ich meine Mitarbeiter behandle, desto mehr beschei\u00dfen die mich oder versuchen aus dieser Zange heraus zu kommen. Also das ist ein Geben und Nehmen. Und deshalb m\u00fcssen wir schauen, dass wir unsere Kunden \u2013 die uns letztlich mit ihrem Kauf unterst\u00fctzen \u2013 nicht entt\u00e4uschen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Also als Beispiel hie\u00df es fr\u00fcher, wenn man einen Mercedes kauft, dann hat man eine Lebensversicherung. F\u00e4hrt man an einen Baum, dann steigt man noch einigerma\u00dfen aus. Kauft man einen Opel, dann ist man vielleicht tot. Also das war so. Und das ging so lange bis der Mercedes dann nicht mehr so sicher war. Also damals hat man es mit der Sicherheit noch soweit gehalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Letztlich tut man alles f\u00fcr sich selber. Nat\u00fcrlich kann man das untergraben, aber irgendwann kommt es dann zu Tage und dann ist der Schaden gro\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #ffffff;\">&#8211;<\/span><br \/>\n<b>Dr. Eckehard Krah:<\/b> Was sind nach Cradle2Cradle in der Zukunft die n\u00e4chsten Schritte, die Sie einleiten wollen, um weiterhin nachhaltige Produkte zu produzieren?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Wolfgang Grupp:<\/b> Was ich in 10 Jahren mache, kann ich heute nicht sagen. Da m\u00fcssen sie mich erst einmal fragen, ob ich dann \u00fcberhaupt noch lebe. Also ich kann ihnen sagen was ich bis gestern Abend gemacht habe. Aber ich kann ihnen nicht sagen, was ich morgen mache. Ich wei\u00df ja gar nicht ob Fukushima bei uns morgen in Deutschland eintritt oder sonst etwas. Also das kann ich ihnen nicht sagen. Ich werde Cradle2Cradle \u2013 ich bin ein Egoist \u2013 solange machen und solange forcieren, solange der Verbraucher es will. Und wenn der Kunde morgen sagt: \u201eich kaufe nur noch Cradle2Cradle\u201c, dann habe ich gar keine andere Wahl als nur noch Cradle2Cradle zu produzieren. Aber solange der Verbraucher das andere bei mir noch stark nachfragt, kann ich nicht 100 Prozent Cradle2Cradle machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #ffffff;\">&#8211;<\/span><br \/>\n<b>Dr. Eckehard Krah:<\/b> Welche Rolle spielt der Konsument beim Aufkommen von nachhaltigem Management? Letztlich verleitet ein Angebot zu entsprechendem Verhalten. Kann ein Kunde wirklich die Nachfrage beeinflussen oder konsumiert er letztlich doch das, was angeboten wird?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Wolfgang Grupp:<\/b> Nein, Sie m\u00fcssen das so sehen. Nat\u00fcrlich kauft der Kunde das, was angeboten wird. Selbstverst\u00e4ndlich kann er das nur kaufen. Aber es gibt Leute, die ganz speziell Cradle2Cradle wollen, dann gibt es Leute die das aus Versehen kaufen, weil die das gar nicht merken dass das etwas anderes ist. Und die kaufen das halt, weil die das T-Shirt sehen und ihnen das gef\u00e4llt. Und dann gibt es Leute, die bewusst Cradle2Cradle nicht kaufen, weil die Einlaufwerte bei naturbelassener Ware etwas h\u00f6her sind, als beim typischen Industriekunden. Letztere k\u00f6nnen gar kein Cradle2Cradle kaufen, da die das mit 75 Grad waschen m\u00fcssen und da w\u00e4re der Einlaufwert zu hoch. Au\u00dferdem ist das etwas teurer und die m\u00fcssen dann auf den Preis schauen und so weiter. Also es gibt verschiedene Argumente.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #ffffff;\">&#8211;<\/span><br \/>\n<b>Dr. Eckehard Krah:<\/b> Wie ich geh\u00f6rt habe, haben Sie zusammen mit Herrn Professor Braungart Cradle2Cradle in Ihrem Unternehmen eingef\u00fchrt. Waren Sie hier initiativ t\u00e4tig oder ist Herr Braungart mit seinen Ideen zu ihnen gekommen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Wolfgang Grupp:<\/b> Sie wollen mir jetzt nicht eine gewisse Intelligenz unterstellen, die ich nicht habe. Also der Herr Professor Braungart ist zu mir gekommen und der hat ja das Prinzip entwickelt. Er hat mich \u2013 weil er wei\u00df, dass ich hier Alles selber im eigenen Hause herstelle und damit das Cradle2Cradle hier am besten durchf\u00fchren kann \u2013 gefragt, ob er mit mir das entwickeln kann. Denn ich bin ja auch kein Professor, der entwickelt. Wir entwickeln ja auch nicht Funktionsgarn oder sonst etwas, das machen Institute oder sonst Irgendwer, die das dann f\u00fcr die Spinnereien irgendwo entwickeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #ffffff;\">&#8211;<\/span><br \/>\n<b>Dr. Eckehard Krah:<\/b> Wie laufen bei Ihnen Innovationen ab? Binden Sie Kunden mit in den Gestaltungsprozess ein?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Wolfgang Grupp:<\/b> Also wir haben jetzt hier keine zukunftsorientierten Geschichten, also das machen ja Andere. Das hei\u00dft, wir h\u00f6ren am Markt, was irgendwo kommt und dann \u00fcbernehmen wir das gegebenenfalls. So machen wir beispielsweise selber kein Garn, das kaufen wir zu. Und ich kann ja keine Entwicklung machen, die mein Garnhersteller nicht vormacht. Also wenn ich jetzt sage: sie wollen ein Funktionsshirt das den Schwei\u00df nach au\u00dfen tr\u00e4gt, dann komme ich ja nicht auf die Idee vor drei\u00dfig oder vierzig Jahren. Aber dann entwickelt irgendein Forschungsinstitut, welches irgendwo beauftragt ist f\u00fcr High Tech Sportler oder was wei\u00df ich. Und dann geht das irgendwo in den Markt und dann macht das Irgendeiner und dann h\u00f6rt man, dass es das gibt und dann machen wir das auch. Dann bekommen wir das Garn mit entsprechend neuen Funktionen und Vorteilen ja auch angeboten. Und dann sagen wir: Ok, das probieren wir einmal.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Entwicklungsabteilung in der Gestaltung sind wir auch nicht diejenigen, die eine Mode machen. Die Mode machen die Franzosen oder die Italiener und dann wird das irgendwann in Paris oder Mailand gezeigt und ein Jahr sp\u00e4ter geht es dann runter in unsere Branche. Wir entwickeln auch keine Farben, da passen wir uns an. So sehen wir beispielsweise in der obersten Modelinie eine Farbe Braun, dann machen wir das auch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #ffffff;\">&#8211;<\/span><br \/>\n<b>Dr. Eckehard Krah:<\/b> Also ist das Benchmarking auf Basis einer reinen Marktbeobachtung?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Wolfgang Grupp:<\/b> Ja genau. Dies ist aber auch bei anderen Unternehmen so. Sie m\u00fcssen jetzt nicht meinen, dass Daimler alles entwickelt. So erf\u00e4hrt Daimler von Bosch, dass es Dieses oder Jenes gibt und dann wird das ausprobiert. Das ist immer ein Geben und Nehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #ffffff;\">&#8211;<\/span><br \/>\n<b>Dr. Eckehard Krah:<\/b> Ist die Wirtschaft oder auch ein Unternehmen von st\u00e4ndigem Wachstum abh\u00e4ngig?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Wolfgang Grupp:<\/b> Das sehe ich ganz anders. Viele verstehen Wachstum unter Umsatzwachstum und das ist t\u00f6dlich. In einer bedarfsgedeckten Wirtschaft bedeutet Wachstum immer billiger zu werden und in einem ruin\u00f6sen Wettbewerb zu enden. Oder aber ich mache dem Billiglohnland Konkurrenz. Das werde ich aber auf Dauer nicht k\u00f6nnen, dann muss ich verlagern. Ich sehe das Wachstum, indem mein Produkt w\u00e4chst. Ich halte die Kapazit\u00e4t &#8211; wenn ich eine Kapazit\u00e4t von 100 habe, dann bleibt die &#8211; und ich gebe rechtzeitig Produkte, die in der Zwischenzeit auch im billigen Ausland billiger gemacht werden, ab. Daf\u00fcr muss ich dann innovative Produkte wieder oben ansetzen. Ich bleibe jetzt einmal dabei: ein Funktions T-Shirt oder ein Cradle2Cradle Produkt, das die nicht k\u00f6nnen und damit habe ich ein innovatives Wachstum aber kein Umsatzwachstum. Und damit bekomme ich wieder einen besseren Preis und kann den Hochlohn bezahlen. Aber mit einer ruin\u00f6sen Billigkonkurrenz die alle das Gleiche machen, kann ich den Hochlohn nicht bezahlen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #ffffff;\">&#8211;<\/span><br \/>\n<b>Dr. Eckehard Krah:<\/b> Also sondern Sie sich komplett vom Markt ab?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Wolfgang Grupp:<\/b> Nat\u00fcrlich! Das ist ja eine Idiotie, dieses Wachstum nach Umsatz zu verlangen. Wir m\u00fcssen ein Wachstum vom Produkt her sehen, in der Innovation. Das brauchen wir. Das Auto, was der Daimler vor zwanzig Jahren als tolles, innovatives Auto hergestellt hat, macht ja in der Zwischenzeit der Chinese auch. Also muss er wieder ein besseres machen. Das sehen sie ja in der Automobilindustrie konstant. Wenn sie jetzt h\u00f6ren, die neue S-Klasse oder was wei\u00df ich, was die alles hat, verstehen sie, das hat halt der Chinese nicht. Aber in zwanzig Jahren hat er das auch. Also m\u00fcssen wir dann irgendwie ein Fl\u00fcgel am Auto haben, dass wir abheben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich sage ja: die Automobilindustrie hat versagt. Denn sie hat sich auf den Lorbeeren viel zu lange ausgeruht. Dass das Benzin oder das \u00d6l knapp war, das wussten wir schon in den siebziger Jahren, da gab es ja einen autofreien Sonntag. Und der war ja Horror, dass man pl\u00f6tzlich sagte: am Sonntag darf man kein Auto fahren. Und da wurde man ja schon vorgewarnt, dass wir \u00d6lknappheit haben. Und es ist nichts geschehen. Erst in letzter Zeit hat man das Elektroauto forciert. Das h\u00e4tte bereits vor drei\u00dfig oder vierzig Jahren kommen m\u00fcssen. Dann w\u00fcrden wir heute in der Welt ein super Elektroauto pr\u00e4sentieren und die ganze Welt m\u00fcsste bei uns kaufen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #ffffff;\">&#8211;<\/span><br \/>\n<b>Dr. Eckehard Krah:<\/b> Der Verbrennungsmotor ist \u00fcber 100 Jahre alt. Was ist daran noch innovativ?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Wolfgang Grupp:<\/b> Ja genau. Die haben sich auf den Lorbeeren ausgeruht anstelle eine konstanten Weiterentwicklung zu forcieren. \u00d6l ist knapp, wir m\u00fcssen weg vom \u00d6l und hin zu Hybrid oder Elektro oder was auch immer. Das h\u00e4tte vor drei\u00dfig Jahren geschehen m\u00fcssen. Und das ist das, was ich \u00fcbel nehme. Ich darf nicht aufh\u00f6ren mit Innovationen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Professor Braungart in mein Unternehmen kam, da m\u00fcssen sie nicht meinen, dass meine Leute gejubelt haben und mir diese Schnapsidee mit Cradle2Cradle da abnehmen wollten. Da wusste ich ja, dass ich da erst einmal Geld reinstecken muss und gar nicht wei\u00df, ob da jemand kommt und das sp\u00e4ter \u00fcberhaupt kauft. Ich habe gesagt, das ist etwas, wo ich mich abheben kann und das kein anderer kann, weil er die Produktionsebene einfach nicht hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist eine Sache, wo wir uns pr\u00e4sentieren k\u00f6nnen, wo wir mindestens am Anfang mit Spr\u00fcchen Werbung machen k\u00f6nnen. Ohne dass ich jetzt gro\u00df im Produkt Geld verdiene. Ich kann ja auch Geld verdienen in der Werbung, indem die Presse etwas aufgreift oder mir kostenlose Werbung bietet. Und da habe ich entschieden, obwohl meine Mitarbeiter \u00fcberhaupt nicht begeistert waren. Das war mir aber egal, ich habe gesagt: ich bezahle die Rechnung und ich mache das. Und heute ist das f\u00fcr uns eine tolle Sache.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #ffffff;\">&#8211;<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Dr. Eckehard Krah:<\/b> Vielen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/ekrah.com\/start\/trigema-photos\/\">Photos Trigema Testgesch\u00e4fte<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWir m\u00fcssen ein Wachstum vom Produkt her sehen, in der Innovation\u201c Wolfgang Grupp, alleiniger Inhaber und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer im Gespr\u00e4ch mit Dr. Eckehard Krah. Dr. Eckehard Krah: Welche Bedeutung hat nachhaltiges Management im Unternehmen f\u00fcr Sie? 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